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Die schönste Version (Ruth-Maria Thomas)


Rowohlt Verlag | 272 Seiten | Einzelband | 14 € | ⭐⭐⭐

Ich war unsicher, ob ich dem Buch zwei oder drei Sterne geben soll. Letztendlich habe ich mich für drei Sterne entschieden, vor allem wegen des Schreibstils. Ich bin schnell durch die Seiten gekommen und habe das Buch in kurzer Zeit gelesen, auch wenn es emotional keine leichte Lektüre war.

Keine Narbe wird bleiben. So schlimm war es dann vielleicht doch nicht? - S. 46

Die Geschichte begleitet Jella durch verschiedene Phasen ihres Lebens und zeigt dabei auch ihre Beziehung zu Yannick. Besonders eindrücklich wird dargestellt, wie sich toxische Dynamiken entwickeln und wie schleichend sich Grenzen verschieben. Es ist erschreckend realistisch und genau das macht es gleichzeitig so belastend zu lesen. Von außen erkennt man vieles sehr klar, während Jella selbst immer tiefer in diese Dynamik hineingezogen wird.

Irgendwie verschammen die Tage, bestanden so viel aus Yannick und Jella und so wenig aus all dem anderem. - S. 230

Was mir ebenfalls aufgefallen ist, sind die Zeitsprünge in ihre Vergangenheit und die besondere Erzählweise. Dialoge werden nicht mit klassischen Anführungszeichen gekennzeichnet, sondern fließen direkt in den Text ein. Das kann beim Lesen zunächst ungewohnt und stellenweise verwirrend sein, mir persönlich hat es aber gut gefallen, weil es die Gedanken und Erinnerungen sehr unmittelbar wirken lässt.

Wer bist du eigentlich?, frage ich mein blasses, mit Dampf verhangenes Spiegelbild. Was willst du? - S. 172

Weniger gefallen hat mir die sehr vulgäre und explizite Sprache. Ich verstehe, dass sie bewusst eingesetzt wird und zur Rohheit der Geschichte passt, dennoch hat sie mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen. Manche Formulierungen wirkten auf mich eher störend als unterstützend für die Geschichte.

Trotz meiner Kritikpunkte ist es ein Buch, das wichtige Themen anspricht und sehr schonungslos zeigt, wie komplex und widersprüchlich solche Erfahrungen sein können. Es ist keine leichte Lektüre, sondern eine, die nachwirkt und zum Nachdenken anregt.

Ich will es teilen, dieses Mal, eine Hand in meiner, und die Gedanken aus meinem Kopf holen, in die Welt setzen, ihnen Raum geben, sie real werden lassen. - S. 120

Für mich war es stilistisch stark und schnell zu lesen, emotional hat mich die Geschichte trotz der starken Themen aber nicht vollständig abgeholt. Daher gebe ich dem Buch 3 von 5 Sternen.



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