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Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten (Anna Maschik)

Luchterhand Verlag | 232 Seiten | Einzelband | 23 € | ⭐⭐⭐⭐

Das Buch hat mich komplett überrascht. Ich habe es in einem Rutsch gelesen und wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Kapitel sind meist nur ein bis zwei Seiten lang und oft nicht einmal vollständig gefüllt, wodurch man schnell vorankommt. Gleichzeitig bleibt man immer wieder an einzelnen Sätzen hängen, weil sie so besonders formuliert sind.

Der Schreibstil ist sehr bildhaft und poetisch, denn die Autorin arbeitet viel mit Metaphern und Vergleichen, die starke Bilder erzeugen. Zum Beispiel beschreibt sie den Himmel, der schwer auf ihre Brust drückt, was dieses Gefühl von Druck und Ausgeliefertsein greifbar macht. Im gleichen Satz vergleicht sie ihren Blick in den Himmel, den sie nicht abwenden kann, mit dem eines Rehs, das regungslos in die Scheinwerfer eines Autos starrt und auf den Aufprall wartet (S. 172). Auch Sätze wie „Schlafende sind mir nicht geheuer. Sie sind freiwillige Tote...“ (S. 54) sind sehr eindrücklich und zeigen, wie ungewöhnlich und intensiv die Sprache ist. Diese bildhafte, metaphorische Sprache zieht sich durch das gesamte Buch und schafft eine ganz eigene, fast schon bedrückende Atmosphäre. 

"Schlafende sind mir nicht geheuer. Sie sind freiwillig Tote, die mich allein hier zurückgelassen haben." - S. 54

Erzählt wird die Geschichte fragmentarisch und nicht streng chronologisch. Man begleitet verschiedene Generationen einer Familie und setzt sich die Geschichte Stück für Stück zusammen. Gerade diese Bruchstücke und Leerstellen haben mir gut gefallen, weil sie Raum für eigene Gedanken lassen und die Geschichte dadurch noch eindringlicher wirkt.

"Die Grashalme wiegen hin und her wie kleine Algen, ihre Spitzen schnappen gerade noch nach Luft."
- S. 98

Trotz der teilweise schweren Themen lässt sich das Buch sehr schnell lesen. Die Kombination aus kurzen Kapiteln und der besonderen Sprache sorgt dafür, dass man immer weiterlesen möchte. Gleichzeitig ist es kein Buch, das man einfach nur konsumiert, sondern eines, über das man beim Lesen und auch danach noch nachdenkt.

"Wenn Miriam nachts nicht schlafen kann, stellt sie sich vor, sie habe keine Mutter. Es ist ihr lieber, keine Mutter zu haben, als eine, die sie nicht mag." - S. 168

Für mich war das Buch eine positive Überraschung. Ein sprachlich starkes und ungewöhnliches Buch, das sich schnell lesen lässt, aber lange nachwirkt. Ich freue mich jetzt schon auf weitere Bücher der Autorin und kann das Buch weiterempfehlen. 4 von 5 Sternen.

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