Luchterhand Verlag | 232 Seiten | Einzelband | 23 € | ⭐⭐⭐⭐ Das Buch hat mich komplett überrascht. Ich habe es in einem Rutsch gelesen und wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Kapitel sind meist nur ein bis zwei Seiten lang und oft nicht einmal vollständig gefüllt, wodurch man schnell vorankommt. Gleichzeitig bleibt man immer wieder an einzelnen Sätzen hängen, weil sie so besonders formuliert sind. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und poetisch, denn die Autorin arbeitet viel mit Metaphern und Vergleichen, die starke Bilder erzeugen. Zum Beispiel beschreibt sie den Himmel, der schwer auf ihre Brust drückt, was dieses Gefühl von Druck und Ausgeliefertsein greifbar macht. Im gleichen Satz vergleicht sie ihren Blick in den Himmel, den sie nicht abwenden kann, mit dem eines Rehs, das regungslos in die Scheinwerfer eines Autos starrt und auf den Aufprall wartet (S. 172). Auch Sätze wie „Schlafende sind mir nicht geheuer. Sie sind freiwillige Tote...“ (S. 54) sind sehr eindrücklic...